Als Kultur-Banause entpuppt: Japan-Tag 2013

Es war ein nahezu perfekter Tag, der Japan-Tag in Düsseldorf . Und er endete mit einem fulminanten Feuerwerk, das leider ohne mich abgefackelt wurde. Denn zu dem Zeitpunkt war ich wegen der fehlenden Zugverbindung leider schon weg.

Dazwischen gab es eine wirklich unglaubliche Erfahrung. Und die ging so: Im Zug nach D’dorf wurde es schon früh am morgen (vor 8:00 Uhr) wirklich eng. Wer hätte gedacht, dass es den Japan-Fan so zeitig aus den Federn treiben würde. Ich jedenfalls nicht.

Aber weiter: Während ich meinem Nickerchen nachgehe, füllt sich das Zug-Abteil. Denn als ich die Augen öffne, glaube ich zu träumen: Rund um mich Manga-Figuren ohne Ende. Manche attraktiv (Mädel aller Klassen in Schul-Uniformen), manche gruselig (Kämpfer mit Atemschutzmasken und Tarnwesten, Monster) manches witzig (eine kleines Schwein im Bollerwagen mit Manga-Figuren-Begleiter). Invasion in Düsseldorf? Nein. Die Manga-Anime-Szene trifft sich dort sowieso fast jeden Samstag, da ist so ein Japan-Tag dann das mindeste, was muß. (Haben Sie das gewußt?)

Blaue, grüne, gelbe Haare. Ein Samurai-Heerlager vor der Westfälischen Landesregierung. Ein Street-Soccer-Turnier auf dem Rasen nebenan. Taiko-Trommeln, japanische Experimentalfilme und so weiter und so fort

Und Menschen, Menschen, Menschen (vergleichbar einem letzten Tag bei der documenta in Kassel, fast wie auf der A 40 bei RUHR 2010) – die meisten in Manga-Kostümen. Grund daür: Ein Cosplay-Wettbewerb. Was Cosplay ist? Hier die Lösung. (Es war nur viel viel viel voller, als auf diesem Clip zu sehen.)

Wer mehr wissen will, guckt hier. Und hier (die Taiko-Einlage der Kids ist deutlich besser)

Das war doch bisher alles an mir vorbei gegangen. Wieder was dazu gelernt (wie gesagt, ein eigentlich wunderbarer Tag). Und so kam es, dass ich vom Düsseldorfer Hauptbahnhof aus in einem lebenden Manga-Treck zum Rheinufer wanderte. Und es gab kein Erbarmen. Wer glaubte, er könnte ohne diese Figuren weitergehen, wurde am Samstag, 25. Mai 2013 eines besseren belehrt. Die Stadt war überflutet, dieses Mal mit Manga-Kreaturen.

Und sie kauften und kauften und kauften. Vor der Noodle Soup Bar (mit frischen Ramen = Nudeln direkt auf Sapporo/ Japan) bildeten sich mittags um 12:00 Uhr zwei 10-Meter-Schlangen in der Hoffnung auf einen der wenigen Plätze. Beim Friseur Guecca (10% für Neukunden) in der Immermannstraße brummte das Geschäft. Und wer seinen Verstand tagsüber versaufend in einem der zahllosen Altstadt-Kneipen saß, dachte vielleicht an Halluzinationen: Oder wann ist Ihnen schon mal ein voll ausgerüsteter Samurai-Krieger vor die Augen gekommen, derweil Mädchen niedlich kichern und König Alkohol sie küßt)?

Wir sehn uns im Kino! (Und vielleicht erzähle ich demnächst, warum es eben kein perfekter Tag war.)
Glück Auf!

Von Verne zu Rohmer: „Der große Gatsby“

Lange ist es her, jetzt bin ich wieder da. Kehlkopfkatarrh, Bronchitis und eine Sehnenscheidenentzündung im rechten Handgelenk – wer wollte da noch etwas zu Stande bringen.

Inzwischen ist einiges geschehen.

Der Höhepunkt der Filmwoche ist jedenfalls unangefochten „Der große Gatsby“ unter der Regie von Baz Luhrmann. Der hat geschickterweise – und weil er ihn ganz offensichtlich und zu Recht liebt – Leonardo DiCaprio als Gatsby besetzt.

DiCaprio in Aktion zu sehen, ist ja schon immer ein Erlebnis gewesen. Bereits in „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ wußte er das Publikum und die Kritiker zu begeistern. Inzwischen ist der Ausnahme-Mime in seinen 30er Jahren angekommen (ok, nächstes Jahr wird er 40, was solls) und wird besser und besser und besser. Dabei verdichtet sich der Eindruck, der vor drei, vier Jahren schon aufkam, zunehmend: Leonardo DiCaprio ist der kongeniale Nachfahre des unvergessenen Orson Welles.

Und – liebes Feuilleton – es muß gesagt werden, denn ihr habt es verpennt: „Der große Gatsby“ ist „Citizen Kane“ – von und mit Orson Welles. Schaut doch bitte noch mal etwas genauer hin.

Was mich aber wirklich begeistert ist die Spielerei, die sich Baz Luhrmann gönnt. Immer wieder wird in seinem Meisterwerk das grüne Leuchten erwähnt, das am Pier des Anwesens der Buchanans leuchtet. Warum mich das so begeistert? Weil es etwas ganz besonderes mit diesem grünen Leuchten auf sich hat. Denn es erklärt die Haltung, die Luhrmann gegenüber der Figur des Gatsby einnimmt.

Beginnen wir von vorn: „Das grüne Leuchten“ ist ein Film von Eric Rohmer. Der wiederum bezieht sich auf den Roman „Das grüne Leuchten“ von Jules Verne. Und Verne schreibt, dass mit dem grünen Leuchten etwas Magisches einhergeht: Wer es jemals gesehen hat, kann sich in Liebesdingen nie mehr irren. Und hier schließt sich der Kreis zu „Der große Gatsby“: Denn nur der beharrlich Liebende, Gatsby, sieht es. Den Hauseigentümern – den Buchanans – ist es noch nie aufgefallen. Wie sich später herausstellt, sind sie komplett Liebesunfähig.

Wir sehn uns im Kino!
Glück Auf!