Geht ab wie Luzi

„Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ ist DIE Überraschung des Jahres. Wer hätte auch erwarten können, dass eine deutsche Film-Produktion fernab von Betulichkeit, Gähn-Gefühlen und gebetmühlenartig zelebrierter Erinnerungskultur tatsächlich möglich ist.

Ok, es gibt Til Schweiger, der mit seinem „Schutzengel“ politisch-korrektes Minenfeld betrat. Sein Haus wurde beschmiert, das Auto seiner Freundin abgefackelt – weh dem, der gegen das aktuelle Meinungsdiktat zu verstoßen scheint.

Bei „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ werden jedenfalls, sensible Seelen wird es freuen, politische Sprengfallen vermieden, bis auf freche Witze, rauchen in der Öffentlichkeit, Rauschmittelkonsum … tja….

Es geht – ganz kurz – um eine Schülerband (Systemfehler), deren Frontmann einen Song mit dem Titel „Wenn Inge tanzt“  geschrieben hat. (Ich weiß, so was wie „El Macho“  von Mark Knopfler ist musikalisch „besser“. Was solls.) Dieser Song jedenfalls wird ein großer Erfolg und könnte der Band zum Karrieredurchbruch verhelfen. Dumm nur, dass die besungene Inge eine Mitschülerin ist, die sich veräppelt fühlt. Noch mal dumm, dass der Gitarrist der Band verunfallt. Noch dümmer, dass nur Inge ihn bei dem megawichtigen Termin (Auftritt vor der Indie-Rock-Band Madsen) ersetzen kann.

Natürlich entwickelt sich die Geschichte genre-typisch: Erst Hiebe, dann Liebe  – jedenfalls so ähnlich.

Wie das jedoch erzählt wird, dass ist große Klasse – Spaß hoch zehn – wegen der Überraschung (s.o.) aber auch wegen dem furiosen Verve, mit dem es voran geht. Vor allem Tim Oliver Schultz als Macho Max sprengt die bisher geltenden Regeln für Film-Performance. Wer glaubt, dass Jim Morrison lebt, könnte recht haben. Das von T.O.S. verschleuderte Charisma kommt dem des genialen Doors-Sängers offensichtlich sehr nahe.

Wie auch immer.

Natürlich fragt frau sich angesichts dieses Faszinosums, wer um alles in der Welt denn dafür Verantwortung trägt. Natürlich ist es immer derjenige, der das Geld gibt. Und da gibt es dann – noch eine Überraschung – zwei Antworten. Laut Wikipedia-Eintrag wurde der Film von der Film- und Medienstiftung NRW, der Filmförderungsanstalt sowie dem Deutschen Filmförderfonds gefördert.

Die angesagte Filmdatenbank german.imdb.com wiederum listet als Produzenten die Firmen Splendid Produktion sowie Mecon Media Concept. Da schau her.

Für mich sieht es aus, als wäre überwiegend privates Geld in die Produktion geflossen. Und das bedeutet, dass Til Schweiger (s.o.) recht hat. Denn der sagte mal – sinngemäß: Weg mit der Filmförderung, dann wird der deutsche Film auch besser. Denn wie es jetzt ist, bekommen die Geld, die gut Anträge schreiben können. Derweil gehen die, die gut Filme machen können, mehr oder weniger leer aus.

Könnte was dran sein.

Wir sehn uns auf alle Fälle im Kino!

Glück Auf!

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