Halleluja

Das hat mein Schutzengel aber richtig GUT gemacht, richtig gut. PERFEKT gemacht.

Zeit: Heute
Ort: Eine Straßenkreuzung, zweispurig bzw. dreispurig in jede Richtung. Als Mittelstreifen Grünbepflanzung.
Ich: Bei tiefdunkelgrün – grüner geht nicht: „es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ – auf dem Zebrastreifen für Fußgänger. Schaue kurz über die linke Schulter, sehe zwei Autos nahen (die natürlich Rot haben). Der Wagen auf der Spur, auf der ich gerade laufe, hält. Und während ich noch denken will: Der hält doch? rauscht Wagen Nr. 2 knapp zehn Zentimeter vor meinem Körper in den Kreuzungsbereich: Ohne jegliche Bremsbemühungen kracht er auf ein auf die Fahrspur hereinbiegendes Auto (der hatte Grün), klaro. Das touchiert wegen der Turbulenzen noch den vor ihm fahrenden Wagen.

Nun ja. Der Clou ist, dass ich während ich über die Straße gehe, auf einmal – völlig arrhythmisch -zwei kleinere Schritte gemacht hatte. Komisch, dachte ich kurz, als ich schon um fast Haaresbreite dem frühen Ableben entgehe. Ohne diese zwei völlig irrationalen kleineren Schritte wäre es das gewesen. Und daher: Danke, lieber Schutzengel, vielen vielen Dank! Dass mir noch ein wenig die Beine zittern ist wirklich verschmerzbar.

Mache ich also weiter: Stayin Alive wie die BeeGees einst sangen, Stayin Alive!

Wir sehn uns im Kino!

Glück Auf!

 

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Von Schutzengeln und anderen

Da haben wir es: Ein Meisterwerk. Mit seiner neuesten Veröffentlichung „Ein gutes Herz“ hat sich der sowieso schon geniale niederländische Autor Leon de Winter selber übertroffen.

Nur am Rande:
Unbedingt eine Verwechslung mit dem gleichnamigen, großartigen Film „Ein gutes Herz“ vermeiden. In diesem geht es zwar auch um eine Herztransplantation. Zudem wird erklärt, was Brokkoli ist: Gestalt gewordener Pfurz. Auch trifft der Autor durchaus den trockenen Humor dieses düsteren Films. De Winter aber geht weiter. Er schafft aus der innigen Verflechtung grausamer Fakten mit fantasievoller Fiktion ein bisher so noch nicht da gewesenes literarisches Konglomerat der Extra-Klasse.

Schon immer war Leon de Winter polarisierend, da er der Aufklärung – und somit der Vernunft – verpflichtet ist, statt z.B. unreflektiert romantisierend dem diffusen Konzept des „guten Wilden“ zu huldigen. Hinzukommt seine überaus realistische Selbsteinschätzung (diverse Kilo unübersehbares Übergewicht). Eigentlich ist in dem Wikipedia-Artikel alles über de Winter geschrieben, was es zu wissen gibt. Geradezu ein Intim-Feind (wenn sie sich denn wirklich gekannt hätten) war Theo van Gogh, der sich zutiefst verletzend über de Winter äußerte. (Bezeichnend ist es denn auch, wie wenig Rückhalt der durch Kollegen bekam.)

Jetzt jedenfalls nimmt sich de Winter des Regisseurs an und widmet ihm sein neuestes Buch „Ein gutes Herz“.

Der Plot: Herausragend.
Die Figuren: Diffizil gezeichnet. Vor allem das sehr unterschiedliche Innenleben sehr verschiedener Figuren wie
– den erst nieder geschossenen, dann zur Sicherheit mit einer Kris geköpften Theo van Gogh
– einen 10jährigen Jungen
– sich selber als den Schriftsteller Leon de Winter
– einen Priester mit ausgeprägtem heterosexuellem Sexualtrieb, der zum Schutzengel wird
– ein Gangster mit komplexer Identitäts-Krise
– das inzwischen eher unbekannte Purgatorium, das neben so berühmten Orten wie Amsterdam oder Las Vegas als Austragungsstätte diverser Dramen mit Läuterungs-Effekt dient
– und viele viele mehr.

Was indes ein klein wenig nervt: Bei einer Frauengestalt erliegt de Winter galloppierender Phantasie. Szene: Sie mit engem kurzem Rock auf einem Rad, heftig strampelnd, um Tempo zu bekommen. Er kurzatmig, da zu dick, hinterher. Soweit, so gut. Der Rock rutscht natürlich hoch. Klar. Noch höher. Immer noch klar. Da kann dann wirklich bis ins Allerheiligste gekuckt werden. Nur: Von „hinten“ kann kaum gesehen werden, was sich vorne abspielt. Der Autor jedoch fabuliert von „fast nacktem Hintern“ (S. 338). Ist ja nett gemeint. Und befeuert die Bildwelten der männlichen Leser. Doch ist das so Geschilderte ein Ding der Unmöglichkeit, tut mir leid. Denn ein enger Rock klebt zwischen Hintern und Sattel fest. Hoch schiebt er sich – wie gesagt – vorne. Lassen Sie sich das von einer Rock-Radlerin geschrieben sein. Vielleicht hat ihn ja aber auch der alte Queen-Song „Fat Bottomed Girls“ zu dieser Szene inspiriert.

Aber: Ein kleiner Ausrutscher in einem ansonsten makellosen Werk darf, nein, muß geradezu sein.

Jedenfalls gibt es auf den vorliegenden Seiten (über 500) soviel zu entdecken, dass es nur einen Rat geben kann: Kaufen! Lesen! Genießen! Wissen vermehren! Noch mal kaufen und verschenken!

Wir sehn uns im Kino!
Glück Auf!

Geht ab wie Luzi

„Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ ist DIE Überraschung des Jahres. Wer hätte auch erwarten können, dass eine deutsche Film-Produktion fernab von Betulichkeit, Gähn-Gefühlen und gebetmühlenartig zelebrierter Erinnerungskultur tatsächlich möglich ist.

Ok, es gibt Til Schweiger, der mit seinem „Schutzengel“ politisch-korrektes Minenfeld betrat. Sein Haus wurde beschmiert, das Auto seiner Freundin abgefackelt – weh dem, der gegen das aktuelle Meinungsdiktat zu verstoßen scheint.

Bei „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ werden jedenfalls, sensible Seelen wird es freuen, politische Sprengfallen vermieden, bis auf freche Witze, rauchen in der Öffentlichkeit, Rauschmittelkonsum … tja….

Es geht – ganz kurz – um eine Schülerband (Systemfehler), deren Frontmann einen Song mit dem Titel „Wenn Inge tanzt“  geschrieben hat. (Ich weiß, so was wie „El Macho“  von Mark Knopfler ist musikalisch „besser“. Was solls.) Dieser Song jedenfalls wird ein großer Erfolg und könnte der Band zum Karrieredurchbruch verhelfen. Dumm nur, dass die besungene Inge eine Mitschülerin ist, die sich veräppelt fühlt. Noch mal dumm, dass der Gitarrist der Band verunfallt. Noch dümmer, dass nur Inge ihn bei dem megawichtigen Termin (Auftritt vor der Indie-Rock-Band Madsen) ersetzen kann.

Natürlich entwickelt sich die Geschichte genre-typisch: Erst Hiebe, dann Liebe  – jedenfalls so ähnlich.

Wie das jedoch erzählt wird, dass ist große Klasse – Spaß hoch zehn – wegen der Überraschung (s.o.) aber auch wegen dem furiosen Verve, mit dem es voran geht. Vor allem Tim Oliver Schultz als Macho Max sprengt die bisher geltenden Regeln für Film-Performance. Wer glaubt, dass Jim Morrison lebt, könnte recht haben. Das von T.O.S. verschleuderte Charisma kommt dem des genialen Doors-Sängers offensichtlich sehr nahe.

Wie auch immer.

Natürlich fragt frau sich angesichts dieses Faszinosums, wer um alles in der Welt denn dafür Verantwortung trägt. Natürlich ist es immer derjenige, der das Geld gibt. Und da gibt es dann – noch eine Überraschung – zwei Antworten. Laut Wikipedia-Eintrag wurde der Film von der Film- und Medienstiftung NRW, der Filmförderungsanstalt sowie dem Deutschen Filmförderfonds gefördert.

Die angesagte Filmdatenbank german.imdb.com wiederum listet als Produzenten die Firmen Splendid Produktion sowie Mecon Media Concept. Da schau her.

Für mich sieht es aus, als wäre überwiegend privates Geld in die Produktion geflossen. Und das bedeutet, dass Til Schweiger (s.o.) recht hat. Denn der sagte mal – sinngemäß: Weg mit der Filmförderung, dann wird der deutsche Film auch besser. Denn wie es jetzt ist, bekommen die Geld, die gut Anträge schreiben können. Derweil gehen die, die gut Filme machen können, mehr oder weniger leer aus.

Könnte was dran sein.

Wir sehn uns auf alle Fälle im Kino!

Glück Auf!