Fad: „Django Unchained“

Sie haben Quentin Tarantinos neuen Film „Django Unchained“ gesehen? Und Sie stimmen folgenden Worten zu?

„Tatsächlich … ein ungemein krasser und direkter Film. Doch es ist unmöglich, sich an ihm zu delektieren, wenn man noch bei Verstand ist. Allein die Sprache der weißen Protagonisten, die Selbstverständlichkeit, mit der sie Schwarze herabsetzen und verdinglichen und die Schwarzen dies als Gegebenheit, als richtig hinnehmen, dreht dem Betrachter schon den Magen um. …. wahrscheinlich der erste (und einzige?) Filmemacher, der die Totalität des Systems “Sklaverei” so schonungslos offengelegt hat: Es ist ein System, dass seinen Opfer gar keine andere Wahl lässt, als ihre Rolle zu erfüllen. Es zerstört jeden Impuls zum Widerstand.“

Na, stimmen Sie zu? Natürlich. Nur handelt es sich hier um den Auszug zu einer Kritik anlässlich Richard Fleischers Film „Mandingo“.

Ich gehe davon aus – und Sie gewiß auch – dass der zutiefst cinephile Tarantino „Mandingo“ kennt. Ist ja auch in Ordnung, in einer Reminiszenz eines vergessenen Filmwerks zu gedenken.

Wie dem auch sei. Schaun wir mal, was es noch zu sagen gibt.

Zu erst einmal das Gute: Tarantino entwickelt seinen Plot ganz im Geist eines früheren Jahrhunderts und vergangenen Welt: Die Bilder sind teils dunkel, die Dialoge in uns altväterlich anmutendem Stil gehalten. Seine Helden entwickeln eine unerwartete Grandezza. Und als die Welt des Plantagenbesitzers (Leonardo DiCaprio) am Abgrund steht, wird eleganter White Cake genossen – nur schmale Stücke, nur schmale Stücke.

Ein Extra: Mandingo-Kämpfe – Gab es sie oder nicht? Ich glaube, dass es in Zeiten ohne Snuff-Movies  und Killer-Spiele und Internet sowie im Falle unermesslichen Reichtums zu Entwicklungen kommen kann, die sich hart arbeitende Lohn-Sklaven wie unsereiner in ihren kühnsten Träumen kaum ausmalen kann.

Die Gewalt-Exzesse? Gehören zu Tarantino wie Zähne in den Mund.

Was mir fehlte an „Django Unchained“ ist so banal wie gravierend: Es fehlt die typische Tarantino-Frau. Kein Regisseur hat jemals so grandiose Frauen-Filme gemacht wie Tarantino. Und jetzt das, der Klassiker schlechthin: Die unerreichbare Frau, das gequälte Opfer, leidend, duldend, von Männern gejagt und letztlich gerettet. Gäääääääähn!!!!!

Mir fehlen eine Uma Thurman („Kill Bill!„) , Pratricia Arquette („True Romance“) , Juliette Lewis („Natural Born Killers“ – Lieblingsfilm! hier der Anfang) oder das trickige Frauen-Quartett in („Death Proof“): ganz großes Kino. Wobei letztgenannter als Hommage an Russ Meyer  gewertet werden kann. Noch ein Regisseur, der die Frauen liebt – („Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ )

Ganz nebenbei: In die Liga der fantastischen Frauen-Flüsterer gehört ebenfalls George Cukor, bekannt durch „My Fair Lady“ und mehr.

Wir sehn uns im Kino!

Glück Auf!