Sexiness II

Noch etwas erschöpft vom letzten Zipperlein, wage ich mich an ein komplexes Thema: Den Film-Bösewicht.

Was uns aktuell dabei auffällt? Na kommen Sie, das sieht doch wirklich jeder. Die Bad Boys werden irgendwie zunehmend sexy. Das war in Filmen ja bisher den Frauen vorbehalten. Da ist die „Böse“ eigentlich immer die attraktivere.

Jetzt hat das Postulat äußerer Wert also auch die Jungs erwischt. Beispiel?

Nehmen wir doch Blockbuster-Garant Bond: In „Skyfall“ beispielsweise darf Javier Bardem dem Agenten mit der Doppel-Null so richtig einheizen. Dabei fällt auf, dass Bardem nun wirklich alles andere als eine Schönheit ist. Aber: Er ist sexy, wirklich sexy.
Nebenbei: Dass er so auf M einhackt, liegt ja wohl an ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Denn, dass ein Mann soviel Hass auf eine Frau entwickelt, ist mehr als ungewöhnlich. Im allgemeinen – sehr verkürzt formuliert – liegt es wohl eher daran, dass er entweder einen Korb erhalten hat oder aber zu wenig Traute sowie Herz hatte, sich ihr erkennen zu geben. Bequemer weise wird dann die Wut auf sich sowie das eigene „Versagen“ (in seinen Augen) auf die zuvor innig Angebetete projiziert. Und dann wird geheult, wenn die Puppe tot ist – na klar…

Aber lassen wir das.

Der nächste sexy Bad Boy begegnet uns in „The Last Stand“. Der (Eduardo Noriega) ist in einem wirklich schicken Auto, einer Corvette (ZR1) sehr schnell unterwegs, was natürlich seinen S-Faktor nach oben schraubt. (Was ist ein Mann schon ohne sein Auto?) Und dann sieht er auch noch recht schnuckelig aus. Hilft ihm aber alles nichts.

Genug davon, diese zwei mögen hier als Beispiele reichen.

Es geht aber nach wie vor ganz anders, was allerdings erst in der Original-Fassung klar wird. (Die deutsche Synchronstimme ist in diesem Fall eindeutig überfordert.) Oder haben Sie schon mal eine bösere, schmutzigere, niederträchtigere Stimme gehört als die von Sean Penn in der Rolle des Mickey Cohen in dem kleinen Meisterwerk „Gangster Squad“? (Ein dickes Lob auf Penn!) Im Trailer wird es deutlich  – die komplette Antithese zu meinen vorigen Aussagen. Die Bösen können eben auch gemein. Aber wir sind ja flexibel.

Wir sehn uns im Kino!
Glück Auf!

Sexiness I

Wie ich neulich dem dancefloor meines Vertrauens einen Besuch abstatte, fiel mein Blick auf die Schuhe der Tänzer. BINGO. DAS war jetzt aber eine Überraschung: Bis auf einen hatten alle Männer (= 50% der Tänzer) Lederschuhe an den Füßen. Was war geschehen?

Noch im November war das Bild folgendes: Die Frauenfüße waren in nettes Leder oder sogar High Heels gewandet, die der Typen in gurkige Sneaker.

Und jetzt das. Das Rätsel muß doch lösbar sein, richtig?

Getreu dem Motto: Wer im Kino war, kennt das Leben, fiel mir ein grandioser Film ein, der die Männerfußbekleidung – unter vielen anderen Aspekten – thematisierte. Die Rede ist von „Crazy, Stupid, Love.“ mit Ryan Gosling und Steve Carell.

Dieser Film beginnt mit einem Kamera-Schwenk unter die Tische eines vollbesetzten Restaurants. Überall wird gefüßelt. Überall? Nein. An einem Tisch herrscht Funkstille: Sie in schicken Schuhen, er mit Turnschuhen.

Tja. Soweit der Auftakt. Kurz danach hat sie sich von ihm getrennt. Und er gerät an einen Pick Up Artist (PUA), der ihm die Welt erklärt und bohrend fragt: „Are You Steve Jobs“ (ab Min. 1). Eingeführt wurde er so (s. 00:24 im Trailer).

Und jetzt wage ich einmal eine Schlussfolgerung: Dieser Film war sehr erfolgreich. Auch Männer haben ihn sich angesehen. Und da hat der eine oder andere vielleicht einen abenteuerlichen Denkprozess zugelassen, der bisher energisch vermieden wurde. Vielleicht erhöht es ja meine Chancen, könnte sich so ein Männerkopf gedacht haben, wenn ich situationsbezogenes Schuhwerk an meine Füße packe. Vielleicht macht das ja die Frauen scharf. Wer weiß.

Wir sind auch im ungewissen, sehn uns aber trotzdem im Kino.

Glück Auf!

Blutig: Rachel Morgan-Serie

Verbrennt die Hexe – das war gestern. Seit einiger Zeit hat die Spezies mit den besonderen Fähigkeiten einen anderen Auftrag. Ihre literarische Vertreterin Rachel Morgan jedenfalls hat in der gleichnamigen Erfolgs-Serie der Autorin Kim Harrison einen Auftrag, dem sie unmöglich entkommen kann.

Es geht blutig los und bleibt auch so. Die im deutschen dem „Blut“ gewidmeten Titel hat Harrison im Original thematisch gänzlich anders ausgerichtet. Sie hat die opulente Serie (jeder Band knapp 600 Seiten!) um die unerschrockene Rothaarige in Anlehnung an Filme von Clint Eastwood getitelt. Im Detail läßt sich das im Wikipedia-Eintrag (.s.o.) zu Kim Harrison nachlesen.

Was mich fasziniert, wirklich fasziniert, ist die mäandernde Reise, auf die Rachel Morgan geschickt wird und wie sich dieser zunehmend verwegenere Prozess gestaltet. Man muß vorne, d.h. mit dem ersten Band anfangen. Ansonsten ist das Lesevergnügen ein klein wenig getrübt. Denn Harrison verzichtet dankenswerter weise auf langatmige Wiederholungen der in den vorigen Bänden aufgeführten Ereignisse. Was für Fans egal welcher Serien immer öde und quälend ist.

Wer also mal länger beschäftigt werden will, geht in die Bücherei seines Vertrauens und besorgt sich genau diese Bände in genau dieser Reihenfolge:
Blutspur (2006) | Blutspiel (2007) | Blutjagd (2008) | Blutpakt (2008) | Blutlied (2009) | Blutnacht (2009) | Blutkind (2010) | Bluteid  (2010) | Blutdämon (2011) | Blutsbande (2012) | Blutschwur  (2013)

Fürwahr – warum ich überhaupt in diesem Moment meines Lebens auf die Odyssee einer Hexe und ihrer Gefährten eingehe, liegt am aktuellen Kinogeschehen. In Kürze wird uns mit „Hänsel & Gretel – Hexenjäger“ die splatterreiche Fortsetzung der märchenhaften Geschichte  um die magische Figur der Hexe aus der umgekehrten klassischen Perspektive erzählt. Denn 15 Jahre „danach“ haben sich die einstmaligen Opfer, also Hänsel & Gretel, zu gnadenlosen und – man muß es sagen – rachsüchtigen Jägern gemausert haben. Doch dann werden sie, Hexe sei Dank, erneut zum filmreifen Opfer gewendet.

Wie gesagt: Verbrennt die Hexe  (darf so was pc-freies wirklich in deutschen Kinos vorgeführt werden? Rätselhaft.)

Wir sehn uns im Kino!
Glück Auf!

Gehofft: „Mavericks“

Es hätte so nett werden können. Aber alles war vergebens. Und das kam so: Als ich endlich die Zeit fand, zum Kino meines Vertrauens zu gehen, um „Mavericks“ sehen zu können, ging gar nichts mehr. Grund: Die Kinomaschine, d.h. der Projektor, hatte den Geist aufgegeben. Und damit fiel die Vorstellung aus.

Also gehe ich durch Schnee und Eis zurück nach Hause und recherchiere etwas zu „Mavericks“ und seinem prominenten Darsteller Gerard Butler. Bei der Gelegenheit finde ich dann einen Hinweis auf seinen nächsten Film „Olympus Has Fallen“. In dem geht es um die Bedrohung der USA durch einen asiatischen Aggressor. Und ich finde den Hinweis auf Roland Emmerichs nächsten Film „White House Down“ mit Channing Tatum (auch in dem grandiosen, quasi dokumentarischen Soderbergh-Movie „Magic Mike“) als Retter des Präsidenten (Jamie Foxx) in der Not. Natürlich wird das Weiße Haus auch hier eine Rolle spielen.

Auf die Schnelle war unklar, welcher Nationalität die Invasoren in dem Emmerich-Film angehören. Paramilitärische Einheiten? Welche? Vertreter der Waffen-Industrie? Und zu welchem Zweck? Terroristen? Stirb langsam?

Das erinnert alles an das grenzdebile Machwerk „Red Dawn“ aus dem Jahr 2012. In dem grotesken und hanebüchenen Remake von John Millius‘ kontrovers diskutiertem Action-Film „Die rote Flut“ (1983) ergreifen statt der seinerzeitigen Sowjets nun Nordkoreaner mit Hilfe der Russen die USA an.

Wir sehen mit Interesse, dass sich innerhalb weniger Monate drei US-Produktionen mit dem Thema „Ausländische Invasoren/ Terroristen greifen die USA an“ beschäftigen. Was will uns die Propaganda-Maschine damit sagen? Was meinen Sie?

So kann es gehen, wenn der Projektor ausfällt. Um aber trotzdem noch etwas zum Thema „Surfen“ beizusteuern, hier der Tipp für eine aufregende Dokumentation darüber, wie die Surfer zum Skaten fanden: „Dogtown and Z-Boys“ Trailer und Film. Lohnt sich!

Wir sehn uns im Kino.
Glück Auf!

von sspicy5 Veröffentlicht in Filme

Fad: „Django Unchained“

Sie haben Quentin Tarantinos neuen Film „Django Unchained“ gesehen? Und Sie stimmen folgenden Worten zu?

„Tatsächlich … ein ungemein krasser und direkter Film. Doch es ist unmöglich, sich an ihm zu delektieren, wenn man noch bei Verstand ist. Allein die Sprache der weißen Protagonisten, die Selbstverständlichkeit, mit der sie Schwarze herabsetzen und verdinglichen und die Schwarzen dies als Gegebenheit, als richtig hinnehmen, dreht dem Betrachter schon den Magen um. …. wahrscheinlich der erste (und einzige?) Filmemacher, der die Totalität des Systems “Sklaverei” so schonungslos offengelegt hat: Es ist ein System, dass seinen Opfer gar keine andere Wahl lässt, als ihre Rolle zu erfüllen. Es zerstört jeden Impuls zum Widerstand.“

Na, stimmen Sie zu? Natürlich. Nur handelt es sich hier um den Auszug zu einer Kritik anlässlich Richard Fleischers Film „Mandingo“.

Ich gehe davon aus – und Sie gewiß auch – dass der zutiefst cinephile Tarantino „Mandingo“ kennt. Ist ja auch in Ordnung, in einer Reminiszenz eines vergessenen Filmwerks zu gedenken.

Wie dem auch sei. Schaun wir mal, was es noch zu sagen gibt.

Zu erst einmal das Gute: Tarantino entwickelt seinen Plot ganz im Geist eines früheren Jahrhunderts und vergangenen Welt: Die Bilder sind teils dunkel, die Dialoge in uns altväterlich anmutendem Stil gehalten. Seine Helden entwickeln eine unerwartete Grandezza. Und als die Welt des Plantagenbesitzers (Leonardo DiCaprio) am Abgrund steht, wird eleganter White Cake genossen – nur schmale Stücke, nur schmale Stücke.

Ein Extra: Mandingo-Kämpfe – Gab es sie oder nicht? Ich glaube, dass es in Zeiten ohne Snuff-Movies  und Killer-Spiele und Internet sowie im Falle unermesslichen Reichtums zu Entwicklungen kommen kann, die sich hart arbeitende Lohn-Sklaven wie unsereiner in ihren kühnsten Träumen kaum ausmalen kann.

Die Gewalt-Exzesse? Gehören zu Tarantino wie Zähne in den Mund.

Was mir fehlte an „Django Unchained“ ist so banal wie gravierend: Es fehlt die typische Tarantino-Frau. Kein Regisseur hat jemals so grandiose Frauen-Filme gemacht wie Tarantino. Und jetzt das, der Klassiker schlechthin: Die unerreichbare Frau, das gequälte Opfer, leidend, duldend, von Männern gejagt und letztlich gerettet. Gäääääääähn!!!!!

Mir fehlen eine Uma Thurman („Kill Bill!„) , Pratricia Arquette („True Romance“) , Juliette Lewis („Natural Born Killers“ – Lieblingsfilm! hier der Anfang) oder das trickige Frauen-Quartett in („Death Proof“): ganz großes Kino. Wobei letztgenannter als Hommage an Russ Meyer  gewertet werden kann. Noch ein Regisseur, der die Frauen liebt – („Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ )

Ganz nebenbei: In die Liga der fantastischen Frauen-Flüsterer gehört ebenfalls George Cukor, bekannt durch „My Fair Lady“ und mehr.

Wir sehn uns im Kino!

Glück Auf!

Seelen-Striptease: „Piratenmond“

Mühsal und jede Menge Plackerei, und das alles – wofür? Autor Chris Wooding findet in seinem dreibändigen Werk „Tayles of the Ketty Jay „(dt. „Piratenmond“/ „Schwarze Jagd“/ „The Iron Jackal“ noch nicht auf deutsch) die Antwort (s. hierzu u.a. „Per Anhalter durch die Galaxis“). Woodings Meilenstein des Steampunk eröffnet klassisch: Erfolgloser Luftpirat erhält ein unmöglich ablehnbares Angebot. Der Auftrag geht fürchterlich schief und er samt Crew werden zum Staatsfeind Nr.1.

Na gut.
Tatsächlich kommt es viel viel besser.

Sagen wir es einfach, wie es ist: Junger Mann flieht als 19jähriger vor der Ehe mit einer durchaus geliebten Frau. Aber: Er will was erleben und außerdem scheinen die sozialen Konventionen (die Meinung der „anderen“) gegen die Bindung zu sprechen. Also wird er erst Flieger und dann – der Lauf der Welt – Luft-Pirat ohne Ehrgeiz.

Doch statt wie geplant weiterhin dubiose Aufträge gleich welcher Art durchzuführen, erlebt Darian Frey, so sein Name, wahrlich Aufregendes. Dabei führen ihn sowohl äußere wie innere Action auf einen unumkehrbaren Weg der Selbsterkenntnis.
Seine Crew besteht aus – naja – ungehobelten Gesellen, aber mit speziellen Fähigkeiten, die jeden einzelnen sehr wertvoll machen. Zum Entzücken des Lesers verbergen sich hinter jeder der vom Autor grandios raffiniert vorgeführten Figuren Tragödien griechischen Ausmaßes.

An Bord der Ketty Jay sind neben Kaptain Frey (Frauenheld und Abenteurer) sein Kumpel Silo, der versoffene Arzt Malvery, ein adliger Dämonologe und dessen metallener Begleiter, ein lebensmüder und ein hektischer Begleitschützer, die eigentlich tote neue Navigatorin sowie der Kater und sein heldenhafter Kampf gegen die Bordratten.
Dann gibt es Rivalen und Feinde, Politiker, Kleriker, Adel, Unternehmer, Schmuggler … und es gibt Monster, Helden, Huren, Ritter, keine – ich wiederhole – keine Vampire, verlorene Seelen, Magie, Artefakte sowie Luft-Schiffe in jeder Größe und Form. Die Reichen sind reich, die Armen sehr viel ärmer, als wir es uns vorstellen können.

Mit anderen Worten: Es ist ganz schön was los.

Was aber wirklich gut ist: Typen sind so unglaublich typisch für Typen im allgemeinen und im besonderen. Denn was auch immer sie voneinander unterscheidet, eins verbindet all diese Typen: Das Knödel-Problem.
Nie davon gehört? Ach gehn’s!
Das tritt immer dann ein, wenn ein Typ etwas sagen möchte, was im engeren und/ oder weitern Sinne mit Gefühlen (gar nicht mal so was „großes“ wie Liebe) zu tun hat. Dann werden die geplanten Worte durch geheimnisvolle Mächte im männlichen Rachen-Raum zu Brei zermahlen und zu Knödeln aufgekocht – und wieder rückt mögliche Kommunikation in weite Ferne. Mit anderen Worten: Typen können zwar Gefühle haben, sie aber nahezu unmöglich verbalisieren. Daher, liebe Mädel: Vergeßt den ganzen Kram mit den „klärenden Gesprächen“ etc – alles Mumpitz. Ein Mann definiert sich durch das, was er tut – oder eben unterläßt bzw. vermeidet. Das ist es.

Scheint jedenfalls, als hätte Autor Wooding http://www.chriswooding.com/ reichlich Erfahrung mit dieser Art Lebens-Situation sammeln können. Es ehrt ihn über die Maßen, dass er diese grausamen Momente mit seinen Lesern teilt.

(Exkurs: In dem Zusammenhang fällt mir ein, vor längerem mal gelesen zu haben, dass bei Männern das für Gefühle zuständige Gehirn-Areal recht isoliert vor sich hin liegt und ohne Verbindung zu dem für die Kommunikation zuständigen Gehirn-Areal leben muß. Wenn ich das noch finde, werde ich es posten, versprochen.)

Wir sehn uns im Kino bei
„Warm Bodies“ / „World War Z“ und „Hänsel und Gretel – Hexenjäger“

Glück Auf!

von sspicy5 Veröffentlicht in Bücher

Bestrickend: „Lady Alexia“-Romane

Und es begab sich, dass mich der Weg durch die Stadtbücherei führte und mein Schritt zufällig vor einem ausgelegten Buch verharrte, dessen Titelbild mich irritierte.

Nie gehört: Gail Carriger. Und sie hatte innerhalb weniger Jahre – von 2009 bis jetzt – fünf Bücher veröffentlicht, die mir völlig fremd waren. Naja, bis jetzt. Was mich dann aber zum Lesen brachte war dies: Die Lady ist seelenlos! Das ist dann ja mal was ganz neues und verführte mich prompt zum Zugriff. Dieser Zustand bringt ihr ein paar Vor- sowie diverse Nachteile und macht sie zur Zielscheibe vielfältiger Interessen.

Sagen wir es so: Es gibt Vampirbücher und es gibt Werwolfbücher und Mischungen aus beiden (erinnern Sie mich bitte nicht an das populärste davon). Gail Carriger nun hat mit ihrer Lady Alexia eine ganz neue Figur gefunden, die dem Steampunk verpflichtet ist. Damit liegt sie auf der anderen Seite eines von mir sehr geschätzten Genres, dem Cyberpunk.

Wer gerne etwas entdeckt, sollte es hiermit versuchen (unbedingt in der Reihenfolge des Erscheinungsjahres lesen, sonst trübt es den Spaß). Gail Carriger hat mit ihrer Lady Alexia eine Art Walküre des viktorianischen Zeitalters geschaffen, die statt einem Speer tapfer und unverdrossen ihren Sonnenschirm zweckdienlich einzusetzen versteht. Dazu erzählt die Autorin fesselnd und kitschfrei. Klischees werden gekonnt variiert. Und wer einen Satz wie „Solltest Du nicht im Bett liegen und die Romantik einer geschwächten Konstitution genießen“ (Vampir zu Alexia) verstehen und genießen kann, gestaltet mit diesen Bänden genussvoll und gepflegt locker den einen oder anderen Abend.

Titel, der Einfachheit halber auf Amazon verlinkt:
Glühende Dunkelheit (2009)
Brennende Finsternis (2010)
Entflammte Nacht (2010)
Feurige Schatten (2011)
Sengendes Zwielicht (2012)

von sspicy5 Veröffentlicht in Bücher
"Shoot 'Em Up"

Sex & Carrots & Rock ’n‘ Roll: „Shoot ’Em Up“

Ein einsamer Mann in einer einsamen Nacht auf einer Bank an der Bushaltestelle: Welches Bild könnte normaler sein?
Doch halt! Die Straße verläuft mit einer Schräge – soll uns das was sagen?
Und dann beißt dieser Mann herzhaft – DIE Zähne möchte man haben – in eine knallorange Karrotte. Hmmmh, lecker.

Und es läuft eine hochschwangere Maid keuchend und sich den Leib haltend die Straße runter (das kann nur schlecht ausgehen, richtig?). Und unser Mann kaut weiter Karrotte, rührt mit ihr in seinem Kaffebecher herum – aber gerührt ist er nicht.

Und dann kommt ein in ein schwarzes Lederjäckchen gekleideter, glattrasierter Typ die Straße runter. Noch immer null Reaktion bei unserem Mann. Doch bevor der Typ – hinter dem Mädel her – in die Tiefgarage geht, zieht er eine Waffe und unserem Mann ist klar: Scheiße, jetzt muß ich eingreifen. Verfickte, fuckte Scheiße.

Und der Rock’n’Roll beginnt und am Ende gibt es eine glückliche Familie – was kann das nach Romantik gierende Publikum mehr wollen?

Ach ja, ich vergaß: Der Film ist zu recht mit der Altersfreigabe 18 Jahre bedacht. Selten gab es eine kreativere Choreografie inszenierten Schreckens bei gleichzeitig tiefstschwarzem Humor. Wer den versteht, hat bei „Shoot ‚Em Up“ beträchtlichen Spaß .

Ich vergaß 2: Ich liebe diesen Film. Drei Jahre habe ich ihn nicht mehr gesehen und war misstrauisch – schließlich ändert sich Geschmack. Aber Clive Owens Darbietung in „Shoot ’Em Up“ ist so über-über-über was auch immer, das ist unmöglich zu toppen. (Wer ihn in dem sezierenden Seelen-Strip „Hautnah“ gesehen hat, weiß um seine Qualitäten.) Und Paul Giamatti, der in „Sideways“  (FSK 6 Jahre) als sensibler Weinliebhaber Miles die Herzen der Empfindsamen eroberte, gibt einen so bravourös-schmierigen Henker, dass man ihm einfach verzeihen muß. Schließlich hat er ja noch diese Ehefrau am Mobile buchstäblich an der Backe.

Wir sehn uns im Kino. (Richtig. Für Bond haben sie Daniel Craig gewählt, Clive Owen war eindeutig zu gut.)

Glück Auf!

von sspicy5 Veröffentlicht in Filme
"7 Psychos"

Über Liebe: „7 Psychos“

Alles so schön blutig. So wunderbar versponnen, so grotesk, so fishy.

Dabei ist „7 Psychos“ ein Film über Freundschaft sowie tiefe Liebe und Sehnsucht bis über den Tod. Eigentlich genau das, was der unter Schreibblockade leidende Autor (Colin Farrell) auch vorhat, in seinem Drehbuch unterzubringen. Doch sein Kumpel (Sam Rockwell) will es anders. Der will einen echten Showdown mit spritzendem Blut und gnadenlos exzessiver Gewalt. Und wie es sich gehört bei einer echten Freundschaft bekommen dann beide das, was sie haben wollen.

Eigentlich wie im echten Leben. Es gibt immer das, was man will und braucht. Auch wenn man das manchmal erst viel später versteht.

Doch das ist ein anderes Kapitel. Zurück zu einem Film, der sogar das „gehobene Publikum“ ins Kino lockt. Zum Verständnis: Als „gehobenes Publikum“ bezeichnen Filmkunsttheater-Betreiber ihr eigenes Publikum: Älter, solvent sowie – aus meiner Sicht – eher gelangweilt und daher – meine Spekulation – bereit, sich auf vermeintlichen Nervenkitzel einzulassen. Spice up your life lautet vermutlich deren Devise. (Im Ernst: Wer will denn noch den gefühlt 1000. Erinnerungskultur-Film sehen.) Wir sagen jedenfalls: Gerne doch. Aber nicht meckern, wenn es wirklich hot wird.

Schon wieder abgeschweift. Also, die Geschichte geht so: Irischem Autor mit Schreibblockade und Alkoholproblem (wie das passt, gelle?) wird von seinem Freund energisch unter die schreibfaulen Arme gegriffen. Denn der Freund möchte an dem brach liegenden Drehbuch-Projekt selber mitarbeiten. Also greift er zu wirklich drastischen Mitteln, um das Geschehen in seinem Sinne zu beeinflussen und voran zu bringen.

Das wäre ja noch einfach. Dummerweise hat sich dieser Freund das „Hobby“ des Hunde-Findens verschrieben. Er entwendet ein Hundchen und sein Kumpel (Christopher Walken) bringt es, nachdem ein hoher Finderlohn ausgesetzt wurde, wieder zurück. Der wiederum macht das  – und er hat eine wirklich finstere Vergangenheit – um die Krebs-Behandlung seiner Frau finanzieren zu können.

Auch das könnte noch gut gehen. Doch dann vergreifen sich die „Hunde-Finder“ unglücklicherweise an dem Shih Tzu eines üblen Gangsters (Woody Harrelson).

Exkurs: Habe ich eigentlich schon gesagt, dass ich Woody Harrelson großartig finde? Auslöser war „Natural Born Killers“  – dagegen ist „Pulp Fiction“   ein Spielzeug. Und beides von Tarantino /Exkurs

Und voila. Die Geschichte um ewige Liebe und innige Freundschaft wird zum Blutbad – Läuterung des Helden inklusive. Nur gut, dass Jesus (jahreszeitengerecht) mitmischt. Viel Spaß beim de-chiffrieren!
Wir sehn uns im Kino.

Glück Auf!

Bösartiger Virus: „Süßes Gift – Hilfe als Geschäft“

Dieser brisante und bohrende Dokumentarfilm macht sich garantiert viele Feinde. Die allzeit solidarische Front der „Afrika-Retter“ – allen voran Bono – wird angesichts der hier gemachten Äußerungen das nackte Grauen packen.

Dabei ist es ganz einfach. Einer der in der Doku interviewten Intellektuellen fasst es in etwa so zusammen: „Ein bösartiger Virus hat das afrikanische System befallen. Sein Name: Entwicklungshilfe“.
Hört! Hört!
Ein anderer Interview-Partner formuliert es konkret: „Entwicklungshilfe ist einfach ein Geschäft. Und nur deswegen läuft sie unentwegt.“
Oder weiter: „Wenn man früher einem Afrikaner sagte, er wäre arm, war das eine Beleidigung. Wenn man ihm noch sagte, er wäre zahlungsunfähig, war die Beleidigung noch größer. Heute jedoch gehen unsere Regierungen hin und stellen sich und ihre Bevölkerung als arm und zahlungsunfähig hin. Und diese einst nahezu unermessliche Beleidigung wird heute akzeptiert.“

Natürlich muß im Fall einer Katastrophe kurzfristig und auch schnell geholfen werden. Doch ist es im „Fall Afrika“ wohl so, dass die NGOs im Land sind und einfach nicht mehr gehen – was die Afrikaner, so die Doku, sehr wundert.

Mit der deutsch-österreichischen Produktion „Süßes Gift – Hilfe als Geschäft“ stellt der Dokumentarist Peter Heller nüchtern und sachlich Studien aus Mali, Kenia und Tansania vor. Er überprüft die „Erfolge“ der Entwicklungshilfe aus Sicht der Afrikaner und fragt genau wie jene: Wie kann es sein, dass nach 50 Jahren und über einer halben Billionen geleisteter US-Dollar Hilfsgelder nach wie vor der erhoffte Entwicklungsschub ausbleibt?

Zynismus am Rande: Allerdings hat das Verfahren „Entwicklungshilfe“ in den Geber-Ländern (also z.B. bei uns) etlichen Menschen Arbeit und Lohn sowie den Unternehmen beträchtliche Gewinne gebracht. Ein fürwahr perfektes Geschäft. Fragt sich, für wen.

Wir sehn uns im Kino bei „Süßes Gift – Hilfe als Geschäft“ am Sonntag, 13. Januar nur 18:00 Uhr/ Mittwoch, 16. Januar, 18:00 und 20:15 Uhr im Kino in der Lagerhalle in Osnabrück.

Glück Auf!