Elegante Elegie

Vom Feinsten: „La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ entführt sein Publikum in eine Welt der Reichen und Schönen. Austragungsort der Dauerparty: Rom, die ewige Stadt. Und weil es dem Helden Jep so gut geht, jammert er mächtig rum. Das führt dann zu einer filmischen Elegie voller Bild-Poesie, wie man sie selten gesehen hat. Dass der Text banal sein soll, wie manche schreiben – was solls? Das Leben an sich ist ja auch ziemlich banal. Insofern spiegelt das italienische Werk das Hiersein doch perfekt.

Noch während der 142 Filmminuten entsteht die Assoziation an eine Party auf der anderen Seite des Globus: „Spring Breakers“ ist eindeutig die zweite Seite der Medaille, die da lautet: Lass es krachen, wir sind die 24-Hour-Party-People,  genau wie es der gleichnamige Film von Michael Winterbottom erzählt.

Und – ich gestehe – vom Anblick derartiger dolce vita verführt, habe ich mich gestern auch ein wenig in Sachen Party versucht. Das führte dann zu dem schlechtesten Martini-Cocktail seit ewigen Zeiten. Dieser Gaumen-Gau wiederum verlangte nach Revanche, die ich in der Bar meines Vertrauens bekam. Tja, und jetzt brummt der Kopf und die Konzentration schwächelt– komisch. Muß doch der erste Drink gewesen sein…
Wir sehn uns im Kino!
Glück Auf!

von sspicy5 Veröffentlicht in Filme

Inspirierte Heiterkeit ./. größtem Schmarrn

Zuerst der Schmarrn: Das hatte ich ganz anders erwartet. Als ich das neue Buch „Fear – Grab des Schreckens“ des Autoren-Dous Preston & Child in der Stadtbücherei vorbestellte, dachte ich: Klasse, endlich ein neuer Fall für den sehr sehr reichen, mysteriösen Special Agent Pendergast.

Und was ist: Nichts ist. Dieses Buch ist so absolut erbärmlich, dass ich mich schäme, überhaupt jemals etwas von den beiden für lesenswert befunden zu haben. Die unbeholfene Sprache – teils auf Schülerzeitungsniveau – ist dabei nur das kleinste Problem. Was mich wirklich angeödet hat ist die gebetsmühlenartig heruntergeleierte  „deutsche-Nazis-sitzen-im-brasilianischen-Dschungel-und-betreiben-Genmanipulationen-um-die-Welt-zu-beherrschen“-Tirade.

Das hat man doch bestimmt schon mal gehört/ gelesen/ gesehen, oder?

Halten die beiden die LeserInnen für blöd, oder was? Glauben die wirklich, dass ein so kruder Plot ernst genommen werden kann? Die Weltherrschaft durch 150 genmanipulierte vermeintliche Siegertypen erringen? Hallohohoho!!!! Alles gar da oben?????

G e l d   regiert die Welt, damit kauft man sich Wissen und regiert dann noch viel entspannter. In dem Zusammenhang fällt mir ein gelesen zu haben, dass – so glaube ich mich jedenfalls zu erinnern – die USA so viel Schulden bei den „Chinesen“ haben, dass man sich fragen muß, wer ist denn hier nun die wahre Weltmacht? Die Puppe oder der Spieler?

Gruselig, einfach gruselig.

Aber genug gejammert.

Hier die inspirierte Heiterkeit: Es gibt ja noch gute Filme, wie beispielsweise „Ich einfach unverbesserlich 2“: Ober-Superschurke Gru (wer außer ihm hat denn wohl sonst noch den Mond vom Himmel geholt?) wächst über sich selbst hinaus. Und ein Kindergeburtstag mit funktionstüchtiger Wolfsfalle und Kettensäge inmitten sonstigem Spielzeug hat wirklich was erfrischendes.

Wir sehn uns auf alle Fälle im Kino.

Glück Auf!

von sspicy5 Veröffentlicht in Filme

Geht ab wie Luzi

„Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ ist DIE Überraschung des Jahres. Wer hätte auch erwarten können, dass eine deutsche Film-Produktion fernab von Betulichkeit, Gähn-Gefühlen und gebetmühlenartig zelebrierter Erinnerungskultur tatsächlich möglich ist.

Ok, es gibt Til Schweiger, der mit seinem „Schutzengel“ politisch-korrektes Minenfeld betrat. Sein Haus wurde beschmiert, das Auto seiner Freundin abgefackelt – weh dem, der gegen das aktuelle Meinungsdiktat zu verstoßen scheint.

Bei „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ werden jedenfalls, sensible Seelen wird es freuen, politische Sprengfallen vermieden, bis auf freche Witze, rauchen in der Öffentlichkeit, Rauschmittelkonsum … tja….

Es geht – ganz kurz – um eine Schülerband (Systemfehler), deren Frontmann einen Song mit dem Titel „Wenn Inge tanzt“  geschrieben hat. (Ich weiß, so was wie „El Macho“  von Mark Knopfler ist musikalisch „besser“. Was solls.) Dieser Song jedenfalls wird ein großer Erfolg und könnte der Band zum Karrieredurchbruch verhelfen. Dumm nur, dass die besungene Inge eine Mitschülerin ist, die sich veräppelt fühlt. Noch mal dumm, dass der Gitarrist der Band verunfallt. Noch dümmer, dass nur Inge ihn bei dem megawichtigen Termin (Auftritt vor der Indie-Rock-Band Madsen) ersetzen kann.

Natürlich entwickelt sich die Geschichte genre-typisch: Erst Hiebe, dann Liebe  – jedenfalls so ähnlich.

Wie das jedoch erzählt wird, dass ist große Klasse – Spaß hoch zehn – wegen der Überraschung (s.o.) aber auch wegen dem furiosen Verve, mit dem es voran geht. Vor allem Tim Oliver Schultz als Macho Max sprengt die bisher geltenden Regeln für Film-Performance. Wer glaubt, dass Jim Morrison lebt, könnte recht haben. Das von T.O.S. verschleuderte Charisma kommt dem des genialen Doors-Sängers offensichtlich sehr nahe.

Wie auch immer.

Natürlich fragt frau sich angesichts dieses Faszinosums, wer um alles in der Welt denn dafür Verantwortung trägt. Natürlich ist es immer derjenige, der das Geld gibt. Und da gibt es dann – noch eine Überraschung – zwei Antworten. Laut Wikipedia-Eintrag wurde der Film von der Film- und Medienstiftung NRW, der Filmförderungsanstalt sowie dem Deutschen Filmförderfonds gefördert.

Die angesagte Filmdatenbank german.imdb.com wiederum listet als Produzenten die Firmen Splendid Produktion sowie Mecon Media Concept. Da schau her.

Für mich sieht es aus, als wäre überwiegend privates Geld in die Produktion geflossen. Und das bedeutet, dass Til Schweiger (s.o.) recht hat. Denn der sagte mal – sinngemäß: Weg mit der Filmförderung, dann wird der deutsche Film auch besser. Denn wie es jetzt ist, bekommen die Geld, die gut Anträge schreiben können. Derweil gehen die, die gut Filme machen können, mehr oder weniger leer aus.

Könnte was dran sein.

Wir sehn uns auf alle Fälle im Kino!

Glück Auf!

Politisch-Korrekt: „The Grandmaster“

Allerdings anders pc als gedacht. Denn: „The Grandmaster“ ist ein chinesischer Film unter der Regie von Wong Kar-Wai.

Der Autorenfilmer hat sich bisher mit sehr bildpoetischen Filmen einen Namen gemacht. Jetzt widmet er sich genauso bildgewaltig dem Leben von Bruce Lees Lehrer Yip Man – übrigens eine sehr freie, da stark verklärende Interpretation eines spannenden Lebens. Die Wahrheit hätte völlig gereicht.

Nur: Mußte es so durchtränkt sein von – naja – Küchenweisheiten? Bedeutungsschwere Worte wechseln sich mit erlesenen Bildern ab. Einige Kämpfe sind mitreißend inszeniert, die Bordell-Sequenzen durchaus authentisch.

Doch was soll das: Der Norden geht in den Süden, der Süden geht in den Norden? Der Norden muß vom Süden lernen? Der Süden wäre nichts ohne den Norden? Die alten Männer müssen weichen, damit die jungen sich einen Namen machen können?

Was fällt uns nur dazu ein? Richtig! Es handelt sich bei „The Grandmaster“ um eine chinesische Produktion. Wie überall bei staatlich subventionierter Kunst reichen auch dort die Einflüsse der Förderer weit in den Inhalt hinein.

Klartext: Peking (Norden) und Shanghai (Süden) leben schon länger in Konkurrenz zueinander. Sitzen im Norden die politischen Hardliner, sind dem Süden die eher liberaleren, d.h. dem Handel zugeneigten Kräfte zuzuordnen. Da aktuell die Volksrepublik China mit einer sehr an wirtschaftlicher Prosperität ausgerichteten Regierungsspitze versehen ist, kann eine Ähnlichkeit in Bezug auf „The Grandmaster“ kaum noch übersehen werden.

Die alten Männer sind gewichen, damit sich die jungen (Staatspräsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang) einen Namen machen können.

Willkommen in der schönen Welt der Propaganda-Filmanstalten – so was schönes war noch nie da…… Und warum sollte es in Fernost anders zugehen als im Westen?

Wir sehn uns im Kino!

Glück Auf!

von sspicy5 Veröffentlicht in Filme

Brausendes Boliden-Ballett: „Fast & Furious 6“

Es gibt eine wunderbare Welt jenseits der 007-Phantasien und die ist schnell und wild. „Fast & Furious“, das Action-Spektakel mit Kultfaktor, nimmt in seiner sechsten Auflage seine Fans mit in eine Automobil-fixierte Welt. Aufregende Alpha-Männer mit Underdog-Charme und ihre betörenden Begleiterinnen sind der Aufhänger für eine der spannendsten Kino-Sagen des aktuellen Jahrtausends.

So war es weder „Twilight“, noch „Star Wars“, „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ vergönnt mehr als zwei Tage vor dem offiziellen Starttermin in die Lichtspielhäuser zu kommen. „Fast & Furious 6“ hingegen war aufgrund der großen Nachfrage drei Tage vorher auf der Leinwand zu sehen.

Das Geheimnis dieser Erfolgsserie liegt vermutlich darin, dass die Figuren kontinuierlich weiter entwickelt werden. So wandelte sich in bisher sechs ultra-dynamischen Schritten das Konzept vom brausenden Boliden-Ballett hin zum faszinierenden Familien-Epos mit geballtem Spannungs-Potenzial.

So veränderte sich das Verhältnis zwischen dem einstigen Klein-Ganoven Dom (Vin Diesel) zum ehemaligen Cop Brian O’Connor (Paul Walker) von Feindschaft über Rivalität hin zur Blutsbruderschaft, hat doch Doms inzwischen mit Brian verheiratete Schwester Mia diesen zum stolzen Onkel gemacht.

Derweil bestätigen die bei der tot geglaubten Letty (Michelle Rodriguez) festgestellten Wesensänderungen die These, dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt. Den Spaß am rasanten Geschehen vermag aber selbst dieser Ausflug in Marx’ dialektischen Materialismus unmöglich zu bremsen.

Denn vor allem geht es darum, eine Gruppe hochgerüsteter Söldner daran zu hindern, politisch bedenkliche IT-Spezialitäten zu stehlen. Auch muss Letty in die Familie zurückgeholt werden und dann wollen die Mitglieder des Toretto-Clans endlich Amnesie für all ihre vergangenen Taten und zurück in ihre schmerzlich vermisste Heimat Los Angeles. Es gibt also genug zu tun und – in furiosen Kinominuten – vor allem zu sehen.

Und für alle Fans das Wichtigste zum Schluß: Für den Folge-Film hat James Wan („Saw“, „Saw 3“) als Regisseur unterschrieben. Einen kleinen Vorgeschmack auf die dann zu erwartenden Spielchen liefert der dem Abspann beigefügte 2minütige Clip mit Jason Statham.

Wir sehn uns im Kino!

Glück Auf!

Von Verne zu Rohmer: „Der große Gatsby“

Lange ist es her, jetzt bin ich wieder da. Kehlkopfkatarrh, Bronchitis und eine Sehnenscheidenentzündung im rechten Handgelenk – wer wollte da noch etwas zu Stande bringen.

Inzwischen ist einiges geschehen.

Der Höhepunkt der Filmwoche ist jedenfalls unangefochten „Der große Gatsby“ unter der Regie von Baz Luhrmann. Der hat geschickterweise – und weil er ihn ganz offensichtlich und zu Recht liebt – Leonardo DiCaprio als Gatsby besetzt.

DiCaprio in Aktion zu sehen, ist ja schon immer ein Erlebnis gewesen. Bereits in „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ wußte er das Publikum und die Kritiker zu begeistern. Inzwischen ist der Ausnahme-Mime in seinen 30er Jahren angekommen (ok, nächstes Jahr wird er 40, was solls) und wird besser und besser und besser. Dabei verdichtet sich der Eindruck, der vor drei, vier Jahren schon aufkam, zunehmend: Leonardo DiCaprio ist der kongeniale Nachfahre des unvergessenen Orson Welles.

Und – liebes Feuilleton – es muß gesagt werden, denn ihr habt es verpennt: „Der große Gatsby“ ist „Citizen Kane“ – von und mit Orson Welles. Schaut doch bitte noch mal etwas genauer hin.

Was mich aber wirklich begeistert ist die Spielerei, die sich Baz Luhrmann gönnt. Immer wieder wird in seinem Meisterwerk das grüne Leuchten erwähnt, das am Pier des Anwesens der Buchanans leuchtet. Warum mich das so begeistert? Weil es etwas ganz besonderes mit diesem grünen Leuchten auf sich hat. Denn es erklärt die Haltung, die Luhrmann gegenüber der Figur des Gatsby einnimmt.

Beginnen wir von vorn: „Das grüne Leuchten“ ist ein Film von Eric Rohmer. Der wiederum bezieht sich auf den Roman „Das grüne Leuchten“ von Jules Verne. Und Verne schreibt, dass mit dem grünen Leuchten etwas Magisches einhergeht: Wer es jemals gesehen hat, kann sich in Liebesdingen nie mehr irren. Und hier schließt sich der Kreis zu „Der große Gatsby“: Denn nur der beharrlich Liebende, Gatsby, sieht es. Den Hauseigentümern – den Buchanans – ist es noch nie aufgefallen. Wie sich später herausstellt, sind sie komplett Liebesunfähig.

Wir sehn uns im Kino!
Glück Auf!

Im Märzen der Bauer: „Spring Breakers“

Geilheit ohne Liebe taugt wirklich nur für einen One-Night-Stand oder für eine Woche oder so, unabhängig davon ob die Körper schlaff („Paradies Liebe“) oder straff sind. Letztgenannten Fall führt ausgerechnet Drehbuchautor und Regisseur Harmony Korine (Artikel unbedingt lesenswert!) vor.

Der hatte mit seinem Drehbuch zu „Kids“, verfilmt von Larry Clark mit Rosario Dawson und Chloë Sevigny für reichlich Aufsehen gesorgt. Eigentlich war es eher der voyeuristische (darf man sagen: Kinderficker-?)Blick Clarks, der die internationale Aufmerksamkeit befeuerte. Jedenfalls verhalf das Projekt einigen seiner Jung-Stars (s.o.) zur Karriere.

Und so kommt es, dass Harmony Korine (garantiert ein Typ, trotz des Vornamens) sich zu Beginn von „Spring Breakers“ selbst zitiert, dann aber weit weit darüber hinaus geht.

Das wuchtige Sex-, Drogen- & Gewalt-Drama ist eher was für geübte Kino-Kucker. Manche künstlerische Stilmittel wie Loops von Text-Passagen in Kombination mit immer neuen Bild-Montagen sorgen denn auch bei dem einen oder der anderen für Verwirrung. Dabei ist es ganz einfach. Man muß nur hinhören und –sehen, dann erschließt sich die Absicht des Künstlers (der Begriff muß man hier erlaubt sein: ganz großes Kino!) von ganz allein.

Selten wurde juvenile Inhaltsleere drastischer inszeniert als in diesem Werk. Und für deren Präsentation ist kaum ein gesellschaftliches Ereignis als Ausgangspunkt besser geeignet als das in den USA von Jugendlichen (oder wie der Dealer sagt: dem Abschaum) exzessiv gefeierte „Spring Break“ .

Ich glaube mich zu erinnern, dass Tom Wolfe (einer meiner Lieblingsautoren) in „Ein ganzer Kerl“ auf diese hedonistischen Gelage einging. (Vielleicht irre ich mich auch, die Zeit ist jetzt zu knapp, das zu verifizieren.)

Die alten Römer würden sich vermutlich für die drogenbefeuerten Rudelfickerein schämen, feiert in „Spring Breakers“ doch der Plebs statt dem Adel. Da geht der Stil – auch Orgien können Stil haben, oder? – komplett verloren. Und das anzusehen ist in seiner Konsequenz verdammt schmerzhaft.

Ein Lichtblick bleibt (alle Christenhasser hören hier besser auf): Jesus immunisiert – laut Korine – gegen Versuchungen (Geilheit ohne Liebe – was auch immer). Wie das? Nun, mit der Figur der Faith (Nomen est Omen!) wird es vorgestellt. Selber sehen macht auf alle Fälle schlau, denn: Ein erzählter Film ist wie ein beschriebenes Mittagessen, richtig?

Wir sehn uns im Kino.
Glück Auf!

von sspicy5 Veröffentlicht in Filme

Gehofft: „Mavericks“

Es hätte so nett werden können. Aber alles war vergebens. Und das kam so: Als ich endlich die Zeit fand, zum Kino meines Vertrauens zu gehen, um „Mavericks“ sehen zu können, ging gar nichts mehr. Grund: Die Kinomaschine, d.h. der Projektor, hatte den Geist aufgegeben. Und damit fiel die Vorstellung aus.

Also gehe ich durch Schnee und Eis zurück nach Hause und recherchiere etwas zu „Mavericks“ und seinem prominenten Darsteller Gerard Butler. Bei der Gelegenheit finde ich dann einen Hinweis auf seinen nächsten Film „Olympus Has Fallen“. In dem geht es um die Bedrohung der USA durch einen asiatischen Aggressor. Und ich finde den Hinweis auf Roland Emmerichs nächsten Film „White House Down“ mit Channing Tatum (auch in dem grandiosen, quasi dokumentarischen Soderbergh-Movie „Magic Mike“) als Retter des Präsidenten (Jamie Foxx) in der Not. Natürlich wird das Weiße Haus auch hier eine Rolle spielen.

Auf die Schnelle war unklar, welcher Nationalität die Invasoren in dem Emmerich-Film angehören. Paramilitärische Einheiten? Welche? Vertreter der Waffen-Industrie? Und zu welchem Zweck? Terroristen? Stirb langsam?

Das erinnert alles an das grenzdebile Machwerk „Red Dawn“ aus dem Jahr 2012. In dem grotesken und hanebüchenen Remake von John Millius‘ kontrovers diskutiertem Action-Film „Die rote Flut“ (1983) ergreifen statt der seinerzeitigen Sowjets nun Nordkoreaner mit Hilfe der Russen die USA an.

Wir sehen mit Interesse, dass sich innerhalb weniger Monate drei US-Produktionen mit dem Thema „Ausländische Invasoren/ Terroristen greifen die USA an“ beschäftigen. Was will uns die Propaganda-Maschine damit sagen? Was meinen Sie?

So kann es gehen, wenn der Projektor ausfällt. Um aber trotzdem noch etwas zum Thema „Surfen“ beizusteuern, hier der Tipp für eine aufregende Dokumentation darüber, wie die Surfer zum Skaten fanden: „Dogtown and Z-Boys“ Trailer und Film. Lohnt sich!

Wir sehn uns im Kino.
Glück Auf!

von sspicy5 Veröffentlicht in Filme

Fad: „Django Unchained“

Sie haben Quentin Tarantinos neuen Film „Django Unchained“ gesehen? Und Sie stimmen folgenden Worten zu?

„Tatsächlich … ein ungemein krasser und direkter Film. Doch es ist unmöglich, sich an ihm zu delektieren, wenn man noch bei Verstand ist. Allein die Sprache der weißen Protagonisten, die Selbstverständlichkeit, mit der sie Schwarze herabsetzen und verdinglichen und die Schwarzen dies als Gegebenheit, als richtig hinnehmen, dreht dem Betrachter schon den Magen um. …. wahrscheinlich der erste (und einzige?) Filmemacher, der die Totalität des Systems “Sklaverei” so schonungslos offengelegt hat: Es ist ein System, dass seinen Opfer gar keine andere Wahl lässt, als ihre Rolle zu erfüllen. Es zerstört jeden Impuls zum Widerstand.“

Na, stimmen Sie zu? Natürlich. Nur handelt es sich hier um den Auszug zu einer Kritik anlässlich Richard Fleischers Film „Mandingo“.

Ich gehe davon aus – und Sie gewiß auch – dass der zutiefst cinephile Tarantino „Mandingo“ kennt. Ist ja auch in Ordnung, in einer Reminiszenz eines vergessenen Filmwerks zu gedenken.

Wie dem auch sei. Schaun wir mal, was es noch zu sagen gibt.

Zu erst einmal das Gute: Tarantino entwickelt seinen Plot ganz im Geist eines früheren Jahrhunderts und vergangenen Welt: Die Bilder sind teils dunkel, die Dialoge in uns altväterlich anmutendem Stil gehalten. Seine Helden entwickeln eine unerwartete Grandezza. Und als die Welt des Plantagenbesitzers (Leonardo DiCaprio) am Abgrund steht, wird eleganter White Cake genossen – nur schmale Stücke, nur schmale Stücke.

Ein Extra: Mandingo-Kämpfe – Gab es sie oder nicht? Ich glaube, dass es in Zeiten ohne Snuff-Movies  und Killer-Spiele und Internet sowie im Falle unermesslichen Reichtums zu Entwicklungen kommen kann, die sich hart arbeitende Lohn-Sklaven wie unsereiner in ihren kühnsten Träumen kaum ausmalen kann.

Die Gewalt-Exzesse? Gehören zu Tarantino wie Zähne in den Mund.

Was mir fehlte an „Django Unchained“ ist so banal wie gravierend: Es fehlt die typische Tarantino-Frau. Kein Regisseur hat jemals so grandiose Frauen-Filme gemacht wie Tarantino. Und jetzt das, der Klassiker schlechthin: Die unerreichbare Frau, das gequälte Opfer, leidend, duldend, von Männern gejagt und letztlich gerettet. Gäääääääähn!!!!!

Mir fehlen eine Uma Thurman („Kill Bill!„) , Pratricia Arquette („True Romance“) , Juliette Lewis („Natural Born Killers“ – Lieblingsfilm! hier der Anfang) oder das trickige Frauen-Quartett in („Death Proof“): ganz großes Kino. Wobei letztgenannter als Hommage an Russ Meyer  gewertet werden kann. Noch ein Regisseur, der die Frauen liebt – („Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ )

Ganz nebenbei: In die Liga der fantastischen Frauen-Flüsterer gehört ebenfalls George Cukor, bekannt durch „My Fair Lady“ und mehr.

Wir sehn uns im Kino!

Glück Auf!

"Shoot 'Em Up"

Sex & Carrots & Rock ’n‘ Roll: „Shoot ’Em Up“

Ein einsamer Mann in einer einsamen Nacht auf einer Bank an der Bushaltestelle: Welches Bild könnte normaler sein?
Doch halt! Die Straße verläuft mit einer Schräge – soll uns das was sagen?
Und dann beißt dieser Mann herzhaft – DIE Zähne möchte man haben – in eine knallorange Karrotte. Hmmmh, lecker.

Und es läuft eine hochschwangere Maid keuchend und sich den Leib haltend die Straße runter (das kann nur schlecht ausgehen, richtig?). Und unser Mann kaut weiter Karrotte, rührt mit ihr in seinem Kaffebecher herum – aber gerührt ist er nicht.

Und dann kommt ein in ein schwarzes Lederjäckchen gekleideter, glattrasierter Typ die Straße runter. Noch immer null Reaktion bei unserem Mann. Doch bevor der Typ – hinter dem Mädel her – in die Tiefgarage geht, zieht er eine Waffe und unserem Mann ist klar: Scheiße, jetzt muß ich eingreifen. Verfickte, fuckte Scheiße.

Und der Rock’n’Roll beginnt und am Ende gibt es eine glückliche Familie – was kann das nach Romantik gierende Publikum mehr wollen?

Ach ja, ich vergaß: Der Film ist zu recht mit der Altersfreigabe 18 Jahre bedacht. Selten gab es eine kreativere Choreografie inszenierten Schreckens bei gleichzeitig tiefstschwarzem Humor. Wer den versteht, hat bei „Shoot ‚Em Up“ beträchtlichen Spaß .

Ich vergaß 2: Ich liebe diesen Film. Drei Jahre habe ich ihn nicht mehr gesehen und war misstrauisch – schließlich ändert sich Geschmack. Aber Clive Owens Darbietung in „Shoot ’Em Up“ ist so über-über-über was auch immer, das ist unmöglich zu toppen. (Wer ihn in dem sezierenden Seelen-Strip „Hautnah“ gesehen hat, weiß um seine Qualitäten.) Und Paul Giamatti, der in „Sideways“  (FSK 6 Jahre) als sensibler Weinliebhaber Miles die Herzen der Empfindsamen eroberte, gibt einen so bravourös-schmierigen Henker, dass man ihm einfach verzeihen muß. Schließlich hat er ja noch diese Ehefrau am Mobile buchstäblich an der Backe.

Wir sehn uns im Kino. (Richtig. Für Bond haben sie Daniel Craig gewählt, Clive Owen war eindeutig zu gut.)

Glück Auf!

von sspicy5 Veröffentlicht in Filme